Pressemitteilung: Wir kooperieren nicht!

Wir haben gehört, dass die Polizei schon wieder mit dem Copaganda-Slogan “Sicherheit vor Geschwindigkeit!” wirbt. Den Spruch hatte sich die hessische Polizei zur RĂ€umung des Dannenröder Waldes ausgedacht. Und wie sich herausstellte war es eine hohle Phrase, denn dort musste die Sicherheit routinemĂ€ĂŸig hinter der Geschwindigkeit der RĂ€umung zurĂŒckstehen: GefĂ€hrungen von Menschen in den BĂ€umen und am Boden waren an der Tagesordnung. Zum Beispiel hatte ein Polizist den Sturz und schwere Verletzungen einer Aktivistin verursacht, indem er ein offensichtlich als sicherungsrelvant gekennzeichnetes Seil – nichts Überraschendes in einer Kletterbesetzung – durchtrennte. Trotzdem konnte die Staatsanwaltschaft keine FahrlĂ€ssigkeit erkennen und stellte das Verfahren ohne Konsequenzen ein. Schon kurz nach dem Vorfall hatte die Presseabteilung der Polizei mit LĂŒgen und Diffamierungen der Aktivisti reagiert und machte sich einmal mehr zur politische Akteurin.

Auch schon durch ihre ‘Betreuung’ der Presse im Danni hatte die Polizei versucht, die so wichtige Kontrolle ihres Handelns durch unabhĂ€ngige Berichterstattung fĂŒr sich einzunehmen: Pressevertreter*innen hatten sich an von der Polizei bestimmten Zeit und Ort einzufinden, um ĂŒber die RĂ€umung berichten zu können – so funktioniert freie Presseberichterstattung nicht. Gut, dass nicht alle Vertreter*innen der Presse einfach ohne Recherche die tendenziösen Veröffentlichungen der Polizei kopiert haben.

Nun versucht die Polizei Frankfurt mit ihrem “InformationsgesprĂ€ch” und von ihr koordinierten parlamentarischen Beobachtung erneut, der Öffentlichkeit zu suggerieren, dass bei ihr alles in bester Ordnung, transparent und rechtsstaatlich sei. Die parlamentarische Beobachtung ist in der Vergangenheit als wichtiger und fĂŒr Aktivisti sicherheitsrelevanter Teil der unabhĂ€ngigen Kontrolle der Exekutive durch parlamentarische ReprĂ€sentant*innen entstanden. Die Polizei Frankfurt geriert sich jetzt als Anleiterin der parlamentarischen Kontrolle ihrer selbst und versucht diese unabhĂ€ngige Beobachtung einzuhegen und in ihr genehme Bahnen zu lenken.

Es ist einerseits ein Erfolg von aufmerksamer und differenzierter Berichterstattung, dass die Polizei sich ĂŒberhaupt gezwungen sieht, Beobachter*innen einzuladen, um den nicht zu leugnenden Sch***, den sie immer wieder baut, wegzuspĂŒlen. Aber: Wir lassen uns nicht einlullen oder instrumentalisieren. Die Polizei ist kein Freund und kein Helfer. Sie hat uns und unsere Genoss*innen schon so oft in Lebensgefahr gebracht, mit ‘Geschwindigkeit vor Sicherheit’ Seile durchtrennt, Menschen in BĂ€umen getasert.

“Angesichts dessen, was wir alles so mit der Polizei erlebt haben, alleine in den letzten Wochen: aggressive Cops, die ihr Pfeffer ziehen, sobald sie uns sehen, racial profiling eines Aktivisti vor dem Wald, halten wir dieses “InformationsgesprĂ€ch” fĂŒr eine farce und einen weiteren billigen Copaganda Trick.”, erlĂ€utert Aktivist*in Buche.

Der PolizeiprĂ€sident meint auch, die Polizei sei bei dem Polizeieinsatz neutral, wĂŒrde nur geltendes Recht umsetzen. Aber das ist Quatsch. Die Polizei muss den Fechenheimer Wald nicht rĂ€umen. Rechtlich ist bisher ungeklĂ€rt, wer fĂŒr die VerfĂŒgung einer 90 m breiten Sicherheitszone um den eigentlichen Rodungsbereich zustĂ€ndig ist, naturschutzfachlich sind noch viele Fragen zu geschĂŒtzten Tierarten, wie dem Heldbock, offen. Die Polizei hat es in der Hand, sie kann entscheiden sich fĂŒr die Durchsetzung der Waldzerstörung eine (Un-)Sicherheitszone nach dem sogenannten Gefahrenabwehrrecht zu schaffen. Wenn die Polizei das tut, entscheidet sie sich hier im Fechenheimer Wald ganz konkret fĂŒr die Autobahn, und gegen Biotopschutz, fĂŒr eine Autogewalt-gerechte und gegen eine klimagerechte Welt.

“Die Gefahr geht von der Polizei aus. Und auch im Fecher wird es wieder zu Gewalt durch die Polizei kommen, denn es ist per se Gewalt, unsere Lebensgrundlagen, vor allem die im globalen SĂŒden, zu zerstören, da hilft auch kein DeeskalationsgesprĂ€ch. Doch am Ende werden wieder Aktivisti kriminalisiert”, sagt Malek aus dem Fecher. Dabei hat jede*r Polizist*in das Recht und die Pflicht, menschenrechtswidrige Handlungen zu verweigern. “Und die Lebensgrundlagen aller Menschen zu zerstören gehört da ja wohl dazu.”, ergĂ€nzt der Aktivist.

Aber wahrscheinlich bleibt die Rettung des Fechenheimer Waldes Handarbeit von unten, darum rufen wir dazu auf, gemeinsam Widerstand zu leisten:

Am Samstag, 07.01.23 um 10:30 Uhr gibt es eine Demonstration fĂŒr den Fecher vor dem DGB-Haus (W.-Leuschner Straße 69/77).

Am Sonntag, 08.01.23 ist wie immer um 14:00 Uhr Waldspaziergang, dieses Mal mit der Geoökologin Dr. Julia Krohmer zu Gast.

Am Montag, 09.01.23, um 16:30 Uhr, ruft die “Ella Soli-Gruppe Hessen” vor dem PolizeiprĂ€sidium (Adickesalleee 70), anlĂ€sslich des “InformationsgesprĂ€chs” zu einer Kundgebung auf: “Kein Polizeieinsatz im Fecher! Das könnt ihr euch hinter die Ohren schreiben – Danni lebt und Fecher wird bleiben!”


Und ab sofort finden in der Besetzung im Fecherwald dauerhaft Workshops zur RĂ€umungsvorbereitung statt.

Wir sind auf jeden Fall vorbereitet – auf eine RĂ€umung durch die Polizei und ihre lĂ€cherlichen LĂŒgen, mörderischen Maschinen und rĂ€udige Repression.

Pressekontakt:

E-Mail: fecher_presse@riseup.net

Telefon: 0152 12 06 58 21

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